Lasciatemi cantare...


Als ich heute Morgen zur Gemeinde fuhr, um ein Dokument abzuholen, wusste ich noch nicht, dass ich mehr als nur einen Ausweis mit nach Hause nehmen würde. Da lag sie. Meine Carta d'identità. Natürlich macht mich dieser Ausweis nicht zur Italienerin. Aber in diesem Moment fühlte es sich genau so an. Hätte mir das jemand vor einem Jahr gesagt, hätte ich ihn für komplett verrückt erklärt. Damals steckte ich noch mitten in meinem Alltag in der Schweiz – mit meinem Vollzeitjob, meiner Mietwohnung und dem grossen Traum, nach Kalabrien zu gehen. Wie, wusste ich damals nicht. Nur, dass ich es tun musste.

Im letzten halben Jahr ist mehr geschehen, als ich für möglich gehalten hatte. Nach dem Burnout Anfang Jahr wusste ich plötzlich, dass ich mein altes Leben nicht mehr weiterführen konnte. Ich musste endlich etwas ändern. Also folgte ich meinem Herzen in den Süden – gemeinsam mit meinem Freund, unseren beiden Katern und zwei grossen Koffern. Ohne richtigen Plan, aber mit der felsenfesten Überzeugung, dass es richtig war. 

Und wie es richtig war. Schon nach wenigen Tagen – als ich mit einem Caffè an der Sonne sass und ins Grüne blickte – merkte ich, dass ich seit Wochen – ja seit Monaten – zum ersten Mal keinen Druck in der Brust spürte. Es fühlte sich an, als wäre eine riesige Last von meinen Schultern gefallen, als könnte ich endlich frei atmen. 


Vielleicht ist genau das das «Slowlife», nach dem ich mich so lange gesehnt habe. Nicht ein Leben, in dem nichts passiert, sondern eines, in dem wieder Platz zum Atmen ist. 


Ich brauchte weiterhin Zeit, um die Erschöpfung hinter mir zu lassen, spürte aber, wie ich endlich loslassen konnte. Meine Beziehung wurde noch inniger. Ich lernte neue Menschen kennen und fand Freunde. Was ich am deutlichsten spüre: meine Energie fliesst zurück zu mir. Zum ersten Mal seit Langem sprudeln die Ideen nur so aus mir. Ich weiss nicht mehr, wann ich zuletzt mit so viel Enthusiasmus aufgewacht bin. Ich spüre wieder diese pure Freude, am Leben zu sein.

Trotz des fehlenden festen Einkommens fühle ich mich sicherer als je zuvor, weil ich endlich am richtigen Ort bin. 


Ich fühle es bis in die Haarspitzen.
Mit 34 Jahren bin ich endlich da, wo ich sein muss.
Endlich zu Hause.


Mit «Slowlife in Kalabrien» nehme ich euch mit auf diese Reise – auf all die kleinen und grossen Momente, die mir jeden Tag aufs Neue zeigen, dass ich am richtigen Ort bin.

A presto e Cin-Cin (weil ich meinen Mut gerade etwas feiern muss)

Ari




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